Geschichte des UW-Prinzip
- Teil 4
Meine Zeit als Führungskraft und Verkaufstrainer
Das Leben ging weiter, und Gott sei Dank hatte ich viel
Glück und schrieb gute Umsatzzahlen.
Da ich wohl auch sonst ganz gut in das Firmengefüge passte, wurde ich befördert zum
Verkaufsleiter. Eine zweijährige Ausbildung zum Verkaufs- und Verhaltenstrainer
schloss sich an und das 600 Seiten dicke Trainerhandbuch war mein ständiger Begleiter, genauso wie nach Feierabend
das Literaturstudium von Rogers, Watzlawick, Schulz von Thun, Birkenbiehl und vielen anderen Autoren.
Die zwei Jahre Ausbildung hatten in mir neuen Mut geweckt, es noch einmal mit den neuen erlernten
Methoden und Techniken der Mitarbeiterführung zu versuchen.
Ich war bereit mit meinen Mitarbeitern ein echtes TOP Team zu bilden, dessen Trainingsbedarf ich bei gemeinsamen Besuchen
ganz schnell aufgrund meiner guten Ausbildung erkannte. Intensives Einzeltraining schloss sich an, besonders bei den
Verkäufern, die umsatzmäßig schwach auf der Brust waren.
Sogar mein schlechtester Mitarbeiter „Kuddel von der Küste“ setzte die Methoden und Techniken
im
Videotraining so professionell um, dass ein externer Trainer die Aufnahmen haben wollte, um sie anderen Kunden
als „Meisterstück“ zu präsentieren.
Doch wo blieben „Kuddels“ Umsätze – es war frappierend – Verhaltensweisen wie aus dem Lehrbuch
aber keine Umsatzsteigerung.
Irgendwie kam mein "Fred" zum Schluss, dass "Kuddel" einfach nur
Trainingsweltmeister
war – aber was war mit den anderen Mitarbeitern? Die Umsatzzahlen waren deutlich höher als bei „Kuddel“,
aber es war überhaupt keine Steigerung auf Grund der Trainingsmaßnahmen zu er-kennen.
Mein bester Mitarbeiter lehnte das Verhaltenstraining sogar ab. Jetzt war ich schon wieder ver-zweifelt – ich
wollte doch ein TOP Team mit den besten Umsätzen.
Also verdonnerte ich meinen besten Mitarbeiter bei einer Gesamtkonferenz, sein
Erfolgsrezept zu präsentieren. Was
dabei rauskam war in hohem Maße enttäuschend, und wenn einer sein „Rezept“
nachgeahmt hätte, wäre er wahrscheinlich in hohem Bogen rausgeflogen.
Die Erkenntnis für meinen „Fred“, dass Verhaltenstraining im kommunikativen Bereich zu keinerlei Mehrumsatz führt, war mit eine der größten Enttäuschungen in meinem Leben, da ich jahrelang ein großer Verfechter des „Psychologischen Verkaufstrainings“ war.
Heute weiß ich, was mich damals fehlgeleitet hat, aber die gemachten Erfahrungen ohne
zählbaren Erfolg sollten eine wertvolle Hilfe darstellen bei der Entwicklung des
UW-Prinzips.
„Fred“ auf der Suche
Ich ging dann aus der sicheren, großen Firma in ein „Zweimanngeschäft“, um Titaninstrumente in der
Mikrochirurgie zu verkaufen. Ich wollte mich nur noch auf mein eigenes Verkaufstalent verlassen und nichts mehr hören
und sehen von Verkaufsmethoden und – Verkaufstechniken.
Aber wie das Schicksal so spielt, mussten wir für eine Produktionsfirma eine Vertriebsmannschaft aufbauen. Wir hatten
freie Hand bei Einstellungen, Ausbildung und bei der Einführung in den Markt. Hier erlebten wir erstmalig, dass eine
fast komplette Außendienstmannschaft so viel Umsatz produzierte, wie wir es uns früher immer erträumt hatten, und das
mit ähnlichen Produkten wie
früher.
Lieferschwierigkeiten nahmen wir gern in Kauf, und die damit verbundenen Probleme konnten wir schnell lösen. Auf dem
Umsatzhoch angekommen, übernahm die Firma, für die wir den Außendienst aufgebaut hatten, den kompletten Vertrieb in
Eigenregie, und wir standen mit unseren Erfolgen allein da.
Also beschlossen wir, darüber nachzudenken, was die Mitarbeiter so erfolgreich hatte werden lassen, dieses in ein
Konzept zu packen und an die Industrie zu verkaufen. Es dauerte einige Monate, bis unsere „Freds“ begriffen,
dass uns das ständige Literaturstudium nicht weiterhalf.
Wir stellten alle Bücher beiseite und suchten bei uns und bei anderen Menschen nach identischen Denkmustern in der
Kommunikation. Dazu war uns jeder Ansprechpartner recht und es dauerte fast ein halbes Jahr, bis wir die Merkmale
des Misserfolgs ermittelt hatten:
>>> Teil 5