Geschichte des UW-Prinzip
- Teil 1
Die Geschichte beginnt sehr früh.
Meine Zeit als Säugling war eigentlich ziemlich trostlos, da die Aktionen nur
auf natürliche Polaritäten
beschränkt waren, wie Wachen – Schlafen, Nahrungsaufnahme – selektive Ausscheidung, immer dieses ewige
Ein – und Ausatmen, dauernd Systole und Diastole und das in permanenter Wiederholung.
Aus den Windeln heraus ins Kleinkindalter - jetzt entstand in mir der Wunsch, Unternehmer zu werden. „
Wer was unternimmt, ist Unternehmer“, dachte ich. Also unternahm ich was und erlebte schnell,
wie spannend so ein Unternehmertum sein kann. Jetzt kam nämlich die Zeit der
künstlichen Polaritäten
wie Richtig – Falsch, Gut – Böse usw.
Mein Drang, die neue Welt in allen
Details zu untersuchen, wurde oftmals jäh gebremst, denn es gab Dinge im Haus, die ich anfassen und begreifen
durfte und andere, bei denen ich es nicht durfte. Wenn ich die Tabuzone einmal eigenständig brechen wollte,
gab es was auf die Finger. Da dies ziemlich schmerzhaft war, überlegte ich beim nächsten Mal, ob sich mein
Forschungsdrang in Einklang bringen ließ mit den zu erwartenden Schmerzen.
Je älter ich wurde, umso mehr lernte ich in unserer kleinen Familiengesellschaft was
richtig und was falsch war.
Hinzu kamen viele moralische Werte wie ehrlich, pünktlich, fleißig, ordentlich, und christlich.
Das waren herausragende Prinzipien, nach denen ich handeln musste.
Eigentlich fiel es mir auch gar nicht so schwer, beim „Guten Tag“ sagen das richtige und schöne
Händchen zu geben und den richtigen ehrfurchtsvollen Diener zu zelebrieren, da ich dafür immer Lob einheimste.
Auf Strafe konnte ich gut und gerne verzichten.
Auf jeden Fall war ich ein sehr lernfähiges kleines Bürschchen, und ich prägte mir genau ein:
- Was muss ich machen ?
- Wie muss ich es machen ?
- Was muss ich sagen ?
- Wie muss ich es sagen ?
um sicherzustellen, dass mir keiner etwas
Falsches unterstellen konnte.
Was ich damals auch noch nicht wusste, war die Rolle, die
diese vier Fragen bei der Entwicklung des
UW-Prinzips spielen sollten.
Wenn ich das Zauberwort „bitte“ einmal mit zu viel Nachdruck betonte,
hieß es: „Der Ton macht die Musik“ oder: „Wie es in den Wald hineinruft, hallt es heraus“.
Da ich in dieser Hinsicht sehr musikalisch war und gleichzeitig Waldrufspezialist, wurde so mancher Erwachsene schwach,
und ich erreichte sehr häufig das was ich wollte.
Dann erlebte ich Dinge, die ich noch nicht richtig zuordnen konnte. Später sollten mir diese bei der Thematik
U r s a c h e und W i r k u n g wieder ins Gedächtnis kommen und eine wichtige Rolle spielen.
Beim Familienausflug am Sonntag störte es meinen Vater, wenn die rote Kontrolllampe im Auto aufleuchtete.
Statt die störende Lampe auszudrehen, fuhren wir tanken und wie durch ein Wunder war das Leuchten der Lampe
verschwunden. Ich lernte, dass diese Dinge nur einen Hinweis darstellten
für eine unsichtbare Störung.
Bei mir aber wurde permanent an dem Sichtbaren und Hörbarem herumgenörgelt, nach dem
Motto: „Das musst Du anders machen oder anders sagen“.
Zu viele Fragen durfte ich allerdings auch
nicht stellen, denn meine ewige und penetrante Fragerei ging so manchem auf den Geist nach dem Motto: „Kannst
du nicht mal aufhören mit dieser fürchterlichen Fragerei“. Auch der Lehrer meinte, wenn ich aufgepasst hätte,
hätte ich nicht nachfragen müssen. Also tat ich so, als wenn ich aufpasste und fragte halt nicht mehr nach, mit
dem Effekt, dass ich ein Schuljahr wiederholen durfte. Fragen war also nicht immer gut, lernte ich. Ich musste
aufpassen, was ich fragte, wen ich fragte,
warum ich fragte und wie ich fragte. Mein Leben wurde immer komplizierter.
So wurde ich mit richtigem und
falschem Verhalten konditioniert
für die Härte des Alltags und in die Gesellschaft
entlassen mit vielen guten Tipps meines Vaters: nicht in den Vordergrund drängeln, nicht zu vorlaut sein, aufpassen,
wer mit wem gut kann usw.
Die Welt der Unternehmen
Nach meinem Studium der Betriebswirtschaft und dem Eintritt in die Welt der Unternehmen hatte ich diese guten
Tipps alle gespeichert und wusste, wie ich mich benehmen musste.
Das erste, mit dem ich während der Produktausbildung für den Außendienst konfrontiert wurde war die
Unternehmenskultur,
die in der Broschüre „Zielorientierte Zusammenarbeit“ festgeschrieben war. Nach intensivem Studium war ich
vom Inhalt ganz begeistert. Zu meinem Erstaunen musste ich feststellen, dass sich niemand so richtig daran hielt.
Was mich auch wunderte, dass gut gemeinte Tipps meinerseits abgetan wurden als „immer diese jungen Leute von
der Schulbank – alles wissen sie besser“, und dann erklärte man mir, dass be-währte Strukturen seit
Jahren die Richtigkeit der Vorgehensweisen unter Beweis gestellt hätten, und eine Änderung nicht in Frage käme
nach dem Prinzip: „Das machen wir schon immer so“.